Die Senne

- Zwergstrauchheide bei Oerlinghausen
© Ch. Venne

- Silbergrasflur bei Stukenbrock
© Ch. Venne

- Kiefernforst im NSG "Moosheide"
© Ch. Venne
Die Senne ist deutschland-, ja europaweit im Gespräch. In den letzten Jahren ist durch viele Diskussionsprozesse in der naturwissenschaftlichen Fachwelt, in Politik und Gesellschaft die Erkenntnis gewachsen, daß in der Senne und in den angrenzenden Bereichen des Teutoburger Waldes eine Landschaft erhalten geblieben ist, die nicht nur für den Naturschutz äußerst wertvoll ist, sondern die auch für den Fremdenverkehr, die Wasserwirtschaft und andere Bereiche von öffentlichem Interesse überregionale Bedeutung hat. Worin besteht jetzt aber konkret der Wert dieses Gebietes? An fünf Eigenarten wird sein natürlicher Reichtum deutlich:
- Nicht besiedelt und nicht zerschnitten
Ein großer Teil der Sennelandschaft bildet zusammen mit dem Lippischen Wald, einem Teil des Teutoburger Waldes, ein großes zu-sammenhängendes Gebiet, das nicht besiedelt und nicht von größe-ren Straßen zerschnitten ist. Nach Berechnungen des Paderborner Naturwissenschaftlers ERNST-THEODOR SERAPHIM beträgt dieser Bereich nahezu 200 qkm - einmalig im ansonsten dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen. Etwa 120 qkm davon gehören zum Truppenübungsplatz Senne und fast 80 qkm zu nördlich und östlich angrenzenden Wäldern. Durch die Einrichtung des Truppenübungsplatzes und die Erhaltung der großflächigen Waldbereiche ist dieser Raum vor starker Zersiedelung, vor Zerschneidung und Versiegelung bis heute verschont geblieben. - Mosaik der Vielfalt
Senne und Teutoburger Wald weisen schon von Natur aus viele unterschiedliche Lebensräume auf. In der Senne z.B. gibt es nicht selten Übergänge von sehr trockenen zu nassen Bereichen innerhalb von wenigen Metern. Der Mensch hat durch verschiedene Formen der Landnutzung die Vielfalt an Lebensräumen noch erhöht. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind auf die unterschiedlichen Biotope spezialisiert: Wälder und Moore, Heiden und Sandtrockenrasen, Fließ- und Stillgewässer, Wiesen, Weiden und Äcker bringen eine erstaunliche Artenvielfalt hervor. - Mitten in einem ökologischen Netz
Die Senne ist Teil eines landesweiten Biotopverbundes in Nordrhein-Westfalen. Über verschiedene ökologische Verbindungsachsen ist sie mit anderen wertvollen Landschaften vernetzt. Wichtige Korridore für den überregionalen Biotopverbund sind der Teutoburger Wald zum Osnabrücker und Tecklenburger Land, die Emmer zur Weser, die Alme zu den Waldlandschaften des Sauerlandes und die Ems zu den Feuchtwiesenlandschaften des westlichen Münsterlandes. - Trinkwasserspeicher in zwei Stockwerken
Die Grundwasservorkommen der Senne gehören zu den wichtigsten in Nordrhein-Westfalen. Die ergiebigen Wasservorräte liegen in zwei getrennten Grundwasserstockwerken. Seit über 100 Jahren fördern die Stadtwerke Bielefeld Trinkwasser sowohl aus dem Sennesand in 20 bis 25 Meter Tiefe als auch aus den Schichten der Oberkreide in etwa 450 Meter Tiefe. In der Verantwortung für nachfolgende Generationen ist es eine wichtige Aufgabe, das Grundwasser der Senne so zu schützen, daß es im Hinblick auf die Güte und die Menge auch langfristig zur Deckung des Wasserbedarfs der Region zur Verfügung steht. - Spezialisten nutzen die Extrembedingungen
Die Senne ist die nährstoffärmste Landschaft in Nordrhein-Westfalen. Der Sennesand, der vor etwa 200.000 Jahren hier abgelagert wurde, ist – verglichen mit den Sanden in anderen Landschaften Nordwestdeutschlands, die jüngeren Ursprungs und daher vom Regenwasser nicht so stark ausgewaschen sind – extrem nährstoffarm und stark sauer. Die historische Plaggenwirtschaft auf den Heideflächen verstärkte diese Entwicklung. Dementsprechend finden wir in der Senne viele Pflanzen, die sich darauf spezialisiert haben, auf dem sauren Boden und mit dem Nährstoffmangel zu existieren. Und so war ein Teil der Senne bereits Truppenübungsplatz, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Einführung des Kunstdüngers die Intensivierung in der Landwirtschaft einsetzte. Dieser Bereich ist also nie landwirtschaftlich intensiv genutzt worden.
